Aktien - Die Bausteine der Wirtschaft.
„Gier ist gut!“ Selten hat eine Filmfigur das Image des Aktionärs so geprägt wie die des Gordon Gekko alias Michael
Douglas 1987 in „Wall Street“. Dass plötzlich jeder Möchtegern-Börsianer rote Hosenträger trug, war dabei nur ein
Nebeneffekt. Regisseur Oliver Stone legte seinem Musterkapitalisten und Schmierlappen die Grundregel der Börse in
den Mund: „Geld wird nicht verloren oder geschaffen. Es wechselt nur den Besitzer.“ Damit wäre das Wichtigste
schon gesagt: Die Börse ist ein Marktplatz, auf dem Waren gehandelt werden. Eine solche Ware ist die Aktie.
Mit Aktien kann praktisch jeder zum Unternehmer werden, sie verbriefen das Grundkapital
eines Unternehmens. Aktionäre sind also nichts anderes als dessen Eigentümer und Geldgeber. Folglich nehmen sie
auch am Erfolg und Misserfolg des Unternehmens teil – allerdings nur über den Aktienkurs und die ausgeschütteten
Dividenden. Zu den Rechten des Aktionärs gehört das Stimmrecht für die jährliche Hauptversammlung (HV). Jeder,
der auch nur eine Bayer-Aktie im Depot hat, könnte also eine Eintrittskarte bestellen, zur HV nach Köln-Deutz
fahren und direkt vom Vorstand Auskunft verlangen. Grundsätzlich zählt jede Aktie eine Stimme. Die HV entscheidet
unter anderem über die Entlastung der Unternehmensmanager, die Satzung, die Gewinnverwendung und die
Auflösung des Unternehmens. Im Regelfall genügt eine einfache Mehrheit. Am folgenden Tag ist Erntezeit. Dann
schüttet das Unternehmen einen Teil des Gewinns als Dividende an die Aktionäre aus. Besitzer von Vorzugsaktien
erhalten eine erhöhte Dividende und verzichten dafür auf das Stimmrecht. Die normalen Anteilscheine heißen
Stammaktien.
Nun könnte es sein, dass clevere Investoren Aktien vor der Ausschüttung kaufen, die Dividende kassieren und sie
anschließend wieder abstoßen. Um das zu verhindern, wird die Dividende am Ausschüttungstag rechnerisch vom
Aktienkurs abgezogen. Der bekommt an diesem Tag den Zusatz „exD“, also „ohne Dividende“. Kurseinbrüche am Tag
nach der HV sind deshalb häufig kein Grund für Trübsal. Schließlich landet dafür die Dividende auf dem Konto des
Aktionärs. Allerdings will der Fiskus davon etwas abhaben. Während Kursgewinne zurzeit noch steuerfrei sind, wenn
die Aktie mindestens ein Jahr gehalten wurde, müssen Aktionäre ihre Dividenden zur Hälfte mit dem persönlichen
Einkommensteuersatz versteuern (Halbeinkünfteverfahren). Ab 2009 sollen nach den aktuellen Plänen der
Bundesregierung alle Kapitalerträge einschließlich Dividenden und Kursgewinne mit einer Abgeltungsteuer von 25
Prozent belegt werden. Die Höhe der Dividende schlägt das Management vor. Gemessen am Aktienkurs reicht die
Höhe der Dividende von zweistelligen Prozentbeträgen bis Null.
Anleger bekommen Aktien bei einer Bank. Die Hausbank gewährt meist eine
zusätzliche Beratung. Der Auftrag zum Kauf und Verkauf eines Wertpapiers heißt Order (englisch: Bestellung). Bei
Filialbanken kostet eine Order im Normalfall ein Prozent des Anlagebetrags, mindestens aber zwischen 25 und 30
Euro. Deutlich billiger wird es bei Online-Anbietern wie Cortal Consors, Comdirect oder ING-Diba. Hier ist der Kunde
schon mit 0,25 Prozent vom Umsatz beziehungsweise mindestens etwa 10 Euro pro Order dabei. Dafür fällt die
Beratung weg.
Eines haben aber alle Anbieter gemeinsam: Sie bieten Zugang zur Börse. Wobei es an dieser Stelle „die Börsen“ heißen
müsste, denn allein in Deutschland gibt es sieben klassische und eine Computerbörse sowie einige Spezialmärkte.
Nicht zu vergessen die ausländischen Handelsplätze inklusive des wohl bekanntesten in der New Yorker Wall Street.
In der Regel sind Börsen eigenständige Unternehmen, die miteinander konkurrieren. Die größte klassische Börse in
Deutschland steht zwar in Frankfurt. Der meiste Handel läuft aber über das Computersystem Xetra der Deutschen
Börse. Dort gibt es keine schreienden Makler mit Schweißperlen auf der Stirn, sondern der Computer führt Käufer
und Verkäufer zusammen zusammen.
So wie die Börse nichts weiter ist als ein Marktplatz, so ist der
Aktienkurs der Preis für die gehandelte Ware. Überwiegt die Nachfrage nach einer Aktie, steigt deren Kurs. Besteht
Verkaufsdruck, fällt er. Dabei ist der Kurs jedoch immer der Preis für ein vergangenes Geschäft.
Ein Beispiel: Herr Bauer möchte 300 Siemens-Aktien kaufen, weil er eine positive Unternehmensmeldung gelesen hat.
Im Internet findet er den aktuellen Aktienkurs von 77,36 Euro pro Stück. Er erteilt seine Order, wird aber plötzlich
mit 78,50 Euro pro Aktie abgerechnet. Der Grund: Bauer hatte den Preis für das letzte Geschäft gesehen. In seiner
Reaktionszeit hatte sich aber die Nachfrage nach Siemens wegen der Meldung erhöht. Noch viel gravierender können
Kurssprünge bei selten gehandelten Werten über Nacht ausfallen. Anleger sollten daher auf keinen Fall morgens mit
dem Kurs vom Vorabend kalkulieren.
Schutz vor Überraschungen bieten Limits. Der Aktienkäufer sagt, wie viel Geld er maximal ausgeben, und der
Verkäufer, wie viel er mindestens bekommen will. Die limitierte Order kann mehrere Monate lang gültig bleiben.
Sollte sich bis dahin kein passender Geschäftspartner finden, verfällt sie. Absurde Preisvorstellungen haben also nur
selten eine Chance.
Im Jahr 1896 veröffentlichten Charles Dow und Edward Jones erstmalig den Aktienindex Dow Jones Industrial Average. Darin fassten sie die Aktienkurse der größten Unternehmen Amerikas über eine mathematische Formel zu einem Wert zusammen. Was damals innovativ war, ist heute angesichts von weltweit über 35.000 Aktienindizes gang und gäbe. Seit Sommer 1988 berechnet die Deutsche Börse den Deutschen Aktienindex, der heute nur noch Dax heißt. Der offizielle Startwert des Dax beträgt 1.000 Punkte per Ende 1987. Den bisherigen Höchststand erreichte er im März 2000 bei 8.136 Zählern. Am 14. Februar 2007 notierte er bei 6.961 Punkten. Der Dax bildet die Kurse der 30 größten deutschen Unternehmen ab. Das Gewicht der einzelnen Werte richtet sich nach ihrer finanziellen Größe.