Markowitz. Portfoliotheorie von Harry Markowitz.
Die richtige Vermögensstruktur zu finden, hat mit Pokern rein gar nichts zu tun. Obwohl es einige Parallelen
gibt.
„Ein gutes Depot ist mehr als eine lange Liste von Wertpapieren. Es ist eine ausbalancierte Einheit, die dem Investor
gleichermaßen Chance und Absicherung unter einer Vielzahl von möglichen zukünftigen Entwicklungen bietet.“ grob
vereinfacht ist das die Kernthese der Portfoliotheorie von Harry Markowitz, für die er 1990 mit dem Nobelpreis für
Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet wurde. Seine Basis: Anleger sollten nicht nur ihre Risiken minimieren,
sondern auch die Gewinne maximieren. Für das Risiko als Maßzahl verwendet Markowitz den Grad, um den der Wert
einer Anlage um seinen Durchschnitt schwankt, die Standardabweichung. Die Kombination verschiedener Aktien
kann das Gesamtrisiko eines Portfolios senken, hatte Markowitz erkannt. Denn unabhängig voneinander oder sogar
entgegengesetzt bewegen sich viele Aktien bei gleichen Umweltbedingungen. Als effiziente Portfolios bezeichnete er
umsetzbare Aktiendepots mit optimalem Risiko und Ertrag und bildete sie in einem Diagramm auf seiner legendären
Effizienzkurve ab. Minimum-Varianz-Portfolio nannte er das umsetzbare Portfolio mit dem geringsten Risiko (siehe
Graphik). Auf reine Aktiendepots hatte Markowitz seine Lehre beschränkt. Inzwischen haben sie andere
Portfoliotheoretiker um weitere Anlageformen erweitert. Wenn Anleger einem Aktiendepot beispielsweise Anleihen,
Rohstoffe oder Hedge-Fonds beimischen, können sie Risiken zusätzlich senken, ohne ihre Chancen allzu stark zu
beschneiden.
Schritt
1: Der Kassensturz
Das persönliche Einkommen sollte im Vordergrund des Anlegers stehen. Soweit prognostizierbar sollten zur
Bestandsaufnahme, die zukünftigen Vermögensverhältnisse gehören. Die innerhalb der kommenden fünf Jahre
anstehen Ausgaben, gehören nicht in das langfristige Portfolio. Tagesgelder oder eine Anleihe sind stattdessen mit
passender Laufzeit angebracht. Für den Notgroschen gilt das Gleiche, der ebenfalls schnell verfügbar sein sollte.
Schritt 2: Was bin ich?
Anleger sollten sich den Zeithorizont, ihre Ziele und ihre Risikobereitschaft für die Anlage genau überlegen. Für die
Ziele allein gebe es so verschiedene Möglichkeiten, etwa wie den maximalen Gewinn, Steueroptimierung,
Inflationsausgleich oder einfach den Wunsch, das Vermögen zu erhalten. Grundsätzlich gilt: Ein Anleger kann höhere
Risiken eingehen, desto länger er Zeit hat. Je mehr Gewinn er abräumen will, desto stärkere Wertschwankungen, auch
Volatilität genannt, muss er dafür in Kauf nehmen.
Schritt 3: Ohne Gleichschritt marsch
Eines der wichtigsten Instrumente, um die Risiken im Depot zu senken, ist die Korrelation. Sie gibt an, wie sich die
verschiedenen Anlageklassen im direkten Vergleich zueinander bewegen. Ein Wert von 1 bedeutet den genauen
Gleichlauf. Bei 0 bewegen sich die Elemente unabhängig voneinander, und bei minus 1 verhalten sie sich genau
entgegengesetzt. Das Beispiel eines Ölunternehmens und einer Fluglinie macht es anschaulich: Steigt der Ölpreis,
erhöht das direkt die Kosten der Fluglinie. Die Gewinnspanne sinkt. Das Ölunternehmen verdient jedoch durch die
gestiegenen Kerosinpreise mehr Geld als zuvor. Die Geschäftsverläufe und Aktienkurse der beiden verglichenen
Unternehmen dürften sich dadurch in der Regel entgegengesetzt, also in negativer Korrelation, bewegen. Über diese
Stellschraube kann ein Anleger das Risiko seines Depots deutlich verringern, ohne zwangsläufig nennenswerte
Renditeeinbußen zu erleiden. Wenn ein Teil des Depots einmal schlechte Zeiten durchmacht, sind andere Teile davon
nicht betroffen oder entwickeln sich im Gegenteil sogar besonders stark.
Schritt 4: Sondieren und sortieren
Von sämtlichen Anlageklassen bieten Aktien die höchsten Renditechancen. Sie verursachen aber auch die stärksten
Kursschwankungen und damit auch die höchsten Risiken. Zwischen dem systematischen Risiko, das die Aktienmärkte
insgesamt mit sich bringen, und dem jeder einzelnen Aktie innewohnenden Risiko unterscheidet man dabei. Laut
statistischen Untersuchungen gehören mindestens 20 verschiedene Werte ins Depot, um dieses unsystematische
Risiko auf eine vernachlässigbare Größe zu drücken. Bei großen Vermögen ist das sicher kein Problem. Dagegen sind
Privatanleger mit kleinerem Depotwert bei Aktienfonds sehr gut aufgehoben. Die einfachste und billigste Methode
besteht für sie darin, über einen Exchange Traded Fund (ETF) auf den Index zu setzen.
Schritt 5: Der ruhende Pol
Das Verhältnis zwischen Aktien und Anleihen ist der Kern einer jeden Anlagestrategie. Anleihen bringen feste Zinsen,
und ihr Risiko ist nur ein Sechstel so hoch wie das von Aktienfonds. Das heißt, wenn es die richtige Art von Renten
ist.
Schritt 6: Das Beiwerk
Die Anlagewelt hat sich seit der Begründung der Portfoliotheorie durch Markowitz ein wenig weitergedreht. Weitere
Ingredienzen sind inzwischen verfügbar, die das Portfolio von den allgemeinen Aktientrends abkoppeln können. Es
soll dadurch vor allem unempfindlicher gegenüber Rückschlägen werden. Mit echten Defensivqualitäten kommen
trotz kleinerer Krisen noch immer die offenen Immobilienfonds daher. Auf breit gestreute Rohstoffkörbe eignen sich
auch ETFs zur Investition.
Schritt 7: Respekt vor Unwägbarkeiten bewahren
Anfang der Neunziger brachten zehnjährige Bundesanleihen noch zweistellige Renditen, so pendeln sie aktuell nur
knapp über 4 Prozent. Unklar ist es ebenso, ob die Schwellenländer ihre wirtschaftliche Aufholjagd fortsetzen
werden. Anleger sollten, um böse Überraschungen zu vermeiden von den historischen Renditen lieber einen
Sicherheitsabschlag nehmen.
Schritt 8: Tauschen und pflegen
Die Gewichte der einzelnen Positionen verschieben sich durch unterschiedliche Wertentwicklungen. Der Anleger
sollte in diesen Fällen das Depot wieder in seine ursprüngliche Form zurückbringen, es also rebalancieren. Das wirkt
antizyklisch, denn er baut dadurch teure und risikoreicher gewordene Positionen ab und fährt zurück gebliebene
Teile hoch. Hält er sich dabei an ein festes System, schaltet er zudem seine größte Schwäche aus: seine
Emotionen.
Die strategische Asset Allokation nimmt mitunter Jahrzehnte in Anspruch, eine Pokerpartie dauert nur einige
Minuten. Aber wer erstere vernünftig umsetzt, wird am Ende mit größerer Sicherheit gewinnen als jeder Pokerkönig.
Kann er auch noch so gut bluffen.
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