Informieren Sie sich umfangreich über Renten.
Keine Angst, die Rente am
Kapitalmarkt hat wirklich nichts mit dem überstrapazierten Altersrentensystem
Deutschlands zu tun. Im Gegenteil: Die börsengehandelte Rente kann eine sehr sichere Anlageform sein. Alternative
Begriffe für Rente sind festverzinsliches Wertpapier, Anleihe oder sehr britisch: Bond.
Rentenbesitzer sind Kreditgeber. Sie leihen einem Unternehmen,
einem Staat oder einer Einrichtung Geld und erhalten dafür Zinsen. Damit unterscheiden sie sich von Aktionären, die
sich an einer Firma direkt beteiligen. Eine Rentenschuld auf sich zu nehmen, ist nicht schwer: „Theoretisch kann
jedes Unternehmen solche Papiere öffentlich anbieten, solange es einen korrekten Wertpapierprospekt erstellt und
die Bafin den Prospekt gebilligt hat“, sagt Anja Neukötter von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
(Bafin). Weitere feste Regeln gibt es kaum. Rockstar David Bowie hatte 1997 beispielsweise seinen 55 Millionen
Dollar schweren Bowie Bond mit den zukünftigen Einnahmen aus 300 Songs besichert. Doch das sind Ausnahmen.
Die meisten Anleihen stammen von Staaten und Unternehmen – und dort vor allem von Banken. Renten haben in
der Regel einen festen Zinssatz und eine Laufzeit, an deren Ende der Emittent den geschuldeten Betrag zurückzahlen
muss. Der Anleger weiß somit schon beim Anleihenkauf, wie hoch sein Verdienst am Ende der Laufzeit sein wird. Wie
auch bei normalen Bankkrediten gilt dabei: Je weniger kreditwürdig der Schuldner ist, desto höhere Zinsen muss er
zahlen und desto höher ist das Risiko aus der Anleihe. Sollte der Schuldner zahlungsunfähig werden, können Anleger
Teile ihres Geldes verlieren oder sogar leer ausgehen. So geschah es beim Konkurs des US-Energieunternehmens
Enron im Jahr 2002 und dem Staatsbankrott Argentiniens Ende 2001. In diesen Fällen erwiesen sich die Schuldner im
Nachhinein als kreditunwürdig. „Leider wird bei der Anlage zu selten auf das Emittentenrisiko geachtet. Anleihen
werden häufig nur nach der Ertragskomponente beurteilt“, bemängelt Werner Schinnerl, Leiter des Teams für
internationale Anleihen bei der österreichischen Fondsgesellschaft Volksbank Invest. Bei der Beurteilung des
Emittentenrisikos helfen Rating-Agenturen. Sie bewerten die Qualität von Anleihenschuldnern. Eine der
bekanntesten Rating-Skalen stammt von Standard & Poor’s (S&P) und reicht von den Stufen AAA für die höchste
Bonität bis D für Ramschanleihen. Doch auch Ratings haben Grenzen. „Sie geben nur eine grobe Orientierung, in
welchem Bereich sich das Unternehmen bewegt. Ratings werden häufig erst dann geändert, wenn der Markt schon
reagiert hat“, erklärt Rentenanalyst Kornelius Purps von der Hypovereinsbank. In anderen Fällen lösen solche
Änderungen Kursbewegungen aus, auf die man nicht mehr reagieren kann. So etwa im Mai 2005: S&P hatte die
beiden Autoschrauber Ford und General Motors zu Pleitekandidaten degradiert. Bevor viele Anleger verkaufen
konnten, hatten die Anleihen bis zu 20 Prozent an Wert verloren.
Rentenbesitzer zu werden ist nicht schwer: Anleihen gibt es in jeder Bankfiliale
oder im Internet bei Online-Banken zu kaufen. Meistens muss man aber ausdrücklich danach fragen, weil dieses
gewinnarme Geschäft bei den Geldhäusern nicht sehr beliebt ist. Klassische Filialbanken berechnen meistens eine
Kaufgebühr von einem halben Prozent. Online-Banken nehmen im Normalfall nur ein viertel Prozent. Die
angebotenen Papiere existieren zumeist schon. Der Anleger übernimmt sie also direkt aus dem Eigenbestand der
Bank oder kauft sie über die Börse von einem anderen Anleger. Um sich an der Neuausgabe einer Anleihe zu
beteiligen, müsste sich der Interessent an das Institut wenden, das die Papiere auf den Markt bringt. Richtig sinnvoll
ist das aber nicht, weil neue Anleihen meistens Laufzeiten von zehn Jahren und mehr haben. So lange sollte man sich
maximal in Phasen mit hohen Marktzinsen binden. Als Sonderfall bietet die Bundesrepublik Finanzierungsschätze,
Bundesobligationen und Bundesschatzbriefe fortlaufend über Banken und Sparkassen zum Kauf an. Wer
Depotgebühren sparen möchte, kann die Papiere nebst sämtlichen weiteren Bundesanleihen bei der Finanzagentur
der Bundesrepublik in einem kostenlosen Wertpapierdepot einlagern. Einmal gekauft, ist es am einfachsten, eine
Anleihe bis zur Rückzahlung im Depot zu halten. Die Zinsen gibt es jährlich zum festen Termin aufs Konto. Am
Fälligkeitstag fließt zusätzlich der Anleihebetrag zurück.
Doch mit Anleihen können Anleger noch viel mehr machen, als sie einfach
nur zu kaufen und bis zur Fälligkeit die Zinsen zu kassieren. Denn Anleihen sind an der Börse täglich handelbar. Wer
sich vorzeitig von seiner Anlage trennen möchte, kann sie daher wie eine Aktie verkaufen. Oder er steigt in bereits
laufende Anleihen ein. Weil der Rentenhandel im Vergleich zu Aktien aber deutlich müder verläuft, könnte ein
Handelsauftrag durchaus auch erst ein oder zwei Tage später ausgeführt werden. Die Kurse an der Börse entstehen
durch Angebot und Nachfrage, nur dass sie nicht in Euro, sondern in Prozent notieren. Dabei bedeutet ein Kurs von
100 Prozent (pari), dass das Papier exakt den geschuldeten Betrag kostet. Genauso gut kann es sein, dass Renten
unter oder über pari notieren. Dann zahlt der Käufer weniger beziehungsweise mehr Geld, als er zum Laufzeitende
vom Schuldner einfordern kann. Ein Beispiel: Eine Anleihe des Touristikkonzerns Tui mit einem Zinssatz von 6,625
Prozent notierte am 15. März bei einem Kurs von 102,25 Prozent. Um nominal 10.000 Euro dieser Anleihe zu
kaufen, müsste der Interessent also 10.225 Euro berappen. Trotzdem würde er die 6,625 Prozent Zinsen nur auf den
Nominalbetrag von 10.000 Euro bekommen. Am Laufzeitende im Mai 2011 erhält der Anleger 10.000 Euro
zurückgezahlt und erleidet somit zwangsläufig einen Kursverlust von 225 Euro. Unterm Strich bleibt ihm auf seinen
investierten Betrag ein Gewinn von 6,07 Prozent im Jahr. Das ist seine Rendite – und nur die zählt. „Es ist völlig egal,
ob eine Anleihe 102 oder 98 Prozent kostet, solange die Rendite überdurchschnittlich ist“, bringt es Kornelius Purps
auf den Punkt. Für die Tui-Anleihe bekommt der Anleger über 2 Prozentpunkte mehr als für eine vergleichbare
Bundesanleihe. Der Renditeunterschied liegt unter anderem daran, dass S&P dem Touristikkonzern über das Rating
BB- eine deutlich schlechtere Schuldnerbonität bescheinigt. Deutschland hat ein AAA.
Eine wichtige Regel am Rentenmarkt lautet: Steigt das Marktzinsniveau,
steigen zwar die Renditen, aber die Anleihenkurse sinken. Anleger, die festverzinsliche Anleihen im Depot haben, die
sie ohnehin bis zum Ende halten wollen, tangiert dieser Zusammenhang wenig. Ihre Zinsen fließen weiter, und am
Ende gibt es die Einlage voll zurück. Wer allerdings aktiv an den Rentenmärkten investiert, etwa über einen
Rentenfonds, für den sind steigende Zinsen Gift. Die Ursache für dieses auf den ersten Blick paradox erscheinende
Phänomen liegt darin, dass Anleihen mit einem festen Zinssatz ausgestattet sind. Wenn das allgemeine Zinsniveau
steigt, verlieren die existierenden Anleihen im Verhältnis zum Marktumfeld an Wert, da die neuen Anleihen eine
höhere Verzinsung bekommen. Manchmal reicht es auch schon aus, dass die Notenbank eines Landes andeutet, die
Zinsen erhöhen zu wollen, um die Kurse in den Keller zu schicken. Die Notenbanken – für die Eurozone ist das die
Europäische Zentralbank (EZB) – bestimmen den Leitzins, zu dem sie an Banken über Nacht Geld verleihen. Damit
geben sie Richtung und Rhythmus des Marktzinsniveaus vor. Das Marktzinsniveau, auch Zinsumfeld genannt, ist aber
letztlich ein Resultat aus Angebot und Nachfrage an den Kreditmärkten. Ein hoher Geldbedarf von Staaten und
Unternehmen treibt die Zinsen in die Höhe. Ein Überangebot an Anlegergeld schickt die Zinsen in den Keller.
Eine weitere Regel besagt: Je länger die Restlaufzeit einer
Anleihe, desto stärker ist ihre Kursbewegung. Auch hier ist der feste Zinssatz der Anleihen der Schlüssel. So gewinnt
bei sinkendem Marktzins eine zehnjährige Anleihe stärker an Wert als beispielsweise eine zweijährige. Denn das
langlaufende Papier garantiert seinem Anleger den festen Zins für einen viel längeren Zeitraum als der Kurzläufer. Im
Gegenzug verliert der Langläufer bei einem Zinsanstieg am Markt besonders stark an Wert. Sein Anleger muss sich ja
länger mit einem unterdurchschnittlichen Zinssatz zufriedengeben als bei einem zweijährigen Papier. Gegen Ende der
Laufzeit nähert sich der Rentenkurs immer weiter der 100-Prozent-Marke an. Denn zu diesem Preis wird am Ende
abgerechnet. Anleger können die aufgezählten Grund- sätze wie folgt nutzen: Wenn die Renditen am Markt
tendenziell steigen, bieten kurzlaufende Renten Schutz vor Kursverlusten. Zeigt der Renditetrend nach unten, sind
lange Laufzeiten wegen der stärkeren Kursgewinne besser für Anlagen geeignet. Wie bereits erwähnt: Den Rhythmus
liefert die verantwortliche Notenbank. Langfristig betrachtet wird ein gut gemischtes Rentenportfolio stets eine
Verzinsung über der von herkömmlichen Spareinlagen erzielen. „Das ist zwar weniger Gewinn als mit Aktien, dafür
bieten Renten einen besonders guten Schutz vor Verlusten“, fasst Kornelius Purps zusammen. Und das ist ein
Rentengesetz, das im Gegensatz zum bundesdeutschen Rentengesetz auch in Zukunft sicher sein wird.
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