Fondsdiscount 4 Free AG

Kommentar zu WiSo vom 17.08.2009

Mittwoch, 26. August 2009 um 11:07 Uhr
Vom 4free-Team

persönliche Meinungsäußerung von M. Dultz:

Gern hören wir alle auf den Rat von Experten. Besonders die Verbraucherschutz-organisationen und die Stiftung Warentest gelten in weiten Teilen der Bevölkerung als unabhängige und unbestechliche Wächter unserer Rechte. Umso wichtiger ist es, mit diesem Vertrauensvorschuss sorgfältig umzugehen!

In der ZDF-Sendung WiSo vom 17.08.2009 hat der dort auftretende Michael Wortberg, angeführt als Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, den nicht besonders glücklichen Fall von Frau Gabi Marin und ihrer angeblich missglückten Altersvorsorge mit Canada Life, einem britischen Lebensversicherer, geschildert (siehe Seite vom ZDF).

Kurz zusammengefasst liegt der Fall wohl so: Die Dame hat einen Fonds-Sparplan-Rentenvertrag bei Canada Life abgeschlossen. Im Zuge der Wirtschaftskrise hat - natürlich - auch dieser Fonds an Wert verloren. Diese Tatsache hat die Dame - vollkommen nachvollziehbar - dazu bewogen, ihre Police zu hinterfragen.

Doch leider hat Frau Marin das bei jemandem getan, der sich damit offenkundig nicht auskennt. Die Herren der Verbraucherzentrale rieten ihr, den Vertrag zu kündigen. Das ist so ziemlich das Kurzsichtigste, was man mit solch einem Produkt machen kann!

Der Vermögensschaden der Dame ist somit in Relation zu den eingezahlten Beiträgen unglaublich hoch und nicht wieder “heilbar”! Besonders bitter erscheint mir, dass sie wohl auch noch zu einem besonders niedrigen Kurswert gekündigt hat, sodass sie die inzwischen erfolgte Kurserholung nicht mehr hat mitnehmen können.

Fondspolicen spielen ihre Vorteile immer über längere Laufzeiten aus, nutzen die “aufs und abs” des Börsengeschehens aus und bieten im Regelfall eine deutlich höhere Renditechance und Inflationssicherheit, als festverzinsliche Alternativen. Besonders britische Lebensversicherer haben das in den vergangenen ca. 150 Jahren immer eindrucksvoll bewiesen und viele klassische deutsche Lebensversicherer weit in den Schatten gestellt.

Besonders unverständlich ist die jedoch die Behauptung, die Fondspolice von Canada Life (CL) und anderer Briten seien überdurchschnittlich teuer und intransparent. Besonders CL zeichnet sich durch niedrige Kosten und höchste (von deutschen Versicherern in der Regel nicht erreichbarer) Offenheit aus (Quelle: Morgen&Morgen).
Im Kostenvergleich liegt CL auf dem Niveau der günstigsten deutschen Direktversicherer, was sich automatisch positiv auf die Rendite auswirken sollte, Die Briten haben jedoch in der Vergangenheit deutlich höhere Renditen erwirtschaften können.
Des weiteren ist die Offenlegungspflicht nach Irischem Verbraucherrecht, dem CL ebenfalls unterliegt, deutlich weitergehend als die deutschen Vorgaben. Somit ist auch dieses Argument der Verbraucherschützer ad absurdum geführt.

Die Anrechnung der sekundären Kursverluste als “Kosten” ist sachlich falsch und die Aussage hierzu vom “Experten” folglich hinfällig.

Vielleicht sollte Frau Marin überprüfen, ob sie nun die Verbraucherschützer auf Haftung für den angerichteten Vermögensschaden verklagen kann. Im Zweifel kann der tatsächlich angerichtete Schaden zwar erst mit Erreichen des Datums beziffert werde, zu dem die Police ungekündigt fällig geworden wäre. Doch eine Wertentwicklung von 4-8% durchschnittlich war gerade bei britischen Anbietern mehr der Regelfall, denn die Ausnahme. Und somit stünden Frau Marin mit Rentenbeginn rechnerisch vermutlich zwischen ca. € 100.000 und € 180.000 zur Verfügung. (Bei durchschnittlich verzinsenden klassisch-deutschen Versicherern wären schon € 100.000 wohl eher ein Optimal-Ziel, denn ein in der Vergangenheit häufig erreichter Wert.)

Seitens der Verbraucherzentralen wird nur höchst selten darauf hingewiesen, dass das Mindeszinsniveau von deutschen festverzinslichen Lebensversicherungen vormals deutlich höher war als heute. Und schon zu höchsten Garantiezinszeiten haben gute Fondspolicen immer mehr Rendite erbracht als ihre “sicheren” Verwandten.

Objektiv betrachtet, hatte die Dame auf eines der wohl besten Rentenprodukte am Markt gesetzt, dessen “Mechaniken” sich ihr vermutlich nicht ganz erschlossen haben. Das ein Endkunde, der sich nur am Rande mit dem Thema Altersvorsorge beschäftigt, komplexe Rentenvorsorgeversicherungen vollständig versteht, ist in der Realität auch (fast) unmöglich.

Bedauerlicherweise hat sich die Frau dann Rat bei einem vermeindlichen Experten geholt, der ihr die mit Abstand schlechteste Empfehlung gab. Jeder Banklehrling lernt im ersten Jahr, dass man aus Fonds nicht auf dem Tiefststand aussteigt!

Und als Krönung wird dann im Fernsehen auch noch zur Verunsicherung vieler bereits Versicherter und potentieller Interessenten eine Meinung verbreitet, die sachlich gesehen bestenfalls als unsachlich bezeichnet werden kann. Lesen Sie dazu auch gern die Stellungnahme aus dem Hause Canada Life.

Im aktuellen Fall hätten wohl die Vertreter der Verbraucherzentrale und Frau Marin das intensive Gespräch mit dem Anbieter suchen sollen. Vermutlich wäre der schwere Vermögensschaden dadurch vermeidbar gewesen.

Eine Reaktion zu “Kommentar zu WiSo vom 17.08.2009”

  1. tobu2009

    Ganz im Sinne der Verbraucher?
    Auch ich kann diese Vorgehensweise seitens der Verbraucherschützer nicht nachvollziehen. Hier bekommt man das Gefühl, dass der Bericht (über frau marin) eher von der deutschen Versicherungslobby initiiert und gepuscht wurde.
    Ich kann nur sagen, dass ich seit 1999 selbst eine englische LV besitze und höchst zufrieden bin (trotz der beiden großen Börsencrash seit dem). Auch wenn die aktuellen Entwicklungen den Wert schmälern - so kaufe ich doch jetzt monatlich zu einem günstigen Kurs ein - und bei einer Laufzeit von insgesamt 30 jahren (also bis 2029) kann man durchaus sicher sein, dass noch einiges passiert.
    Mal ehrlich - wo glauben sie denn, wird Geld verdient? Die deutschen Lebensversicherer müssen ihr Geld doch auch irgendoo anlegen - oder denken Sie, die vermehren es, indem sie es in den Keller packen?

    In diesem Sinne …

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