Ethisch ökologische Fonds, Ethik-Fonds, Nachhaltigkeitsfonds oder Öko-Fonds.
Öko ist nicht immer logisch. Aber es gibt ein gutes Gefühl. Klimawandel, steigender Ölpreis und Schlagzeilen über Rinderwahn, Pestizidbelastungen und fragwürdige Zusatzstoffe im Essen schärfen das Bewusstsein der Menschen für ihre Umwelt.
Immer mehr suchen nach dem Wohlfühleffekt: Biobenzin ist gefragt wie nie, geheizt wird wieder mit Holz, und Bioläden boomen. Für Umwelt und Gesellschaft ist das nicht nur von Vorteil. Einige Studien beispielsweise ergeben, dass Biosprit umweltschädigender ist als herkömmliches Benzin, und Getreide, das im Tank landet, fehlt auf den Tellern in der Dritten Welt. „Der Boom der Biokraftstoffe hat die Preise für Lebensmittel weltweit um bis zu 75 Prozent erhöht“, berichtete die britische Tageszeitung „The Guardian“ unter Berufung auf eine bisher geheim gehaltene Studie der Weltbank im Sommer 2008.
Deutschlands Holzheizungen verpesten die Luft. Sie stoßen inzwischen mehr Feinstaub aus als der gesamte deutsche Autoverkehr. Und der Bio-Landbau hat neben vielen Vorteilen auch große Nachteile für die Natur. Um genau so viel zu produzieren wie der herkömmliche Ackerbau, benötigt er mindestens ein Drittel mehr Land. Würden alle Bauern auf Bio umstellen, wäre das das Ende der Wälder, Steppen und Feuchtgebiete – und der dort lebenden Tiere und Pflanzen. Eine Katastrophe.
Das magische Viereck der Geldanlage
Auch am Finanzmarkt steigt die Nachfrage nach ökologisch und sozial korrekten Produkten rasant. Das magische Dreieck der Geldanlage aus Rendite, Risiko und Liquidität wird zum magischen Viereck. Fonds, deren Anlagestrategien die Rücksicht auf Umwelt und Gesellschaft vorschreiben, haben viele Namen: Sie werden als ökologisch, ethisch oder nachhaltig (englisch: sustainable) bezeichnet und sind an Kürzeln wie SRI (Socially Responsible Investment), CSR (Corporate Social Responsibility), RI (Responsible Investment), ESG (Environment, Society, Governance) oder SEE (Social, Ethical, Environmental) zu erkennen.
Allein der europäische Markt für nachhaltige Investmentfonds wird bis 2014 die Marke von 500 Milliarden Euro überschreiten, so die amerikanische Unternehmensberatung Frost & Sullivan. 2007 sei der Sektor um 20 Prozent auf 180 Milliarden Euro gewachsen. In Deutschland waren nach Angaben von Ecoreporter.de Ende vergangenen Jahres 155 nachhaltige Fonds zugelassen, die zusammen 21,6 Milliarden Euro verwalteten.
Keine direkte ökologische Wirkung
Ähnlich wie bei Biosprit, Holzheizung und Öko-Obst stellt sich auch bei ethisch ökologischen Fonds, Ethik-Fonds, Nachhaltigkeitsfonds oder Öko-Fonds die Frage, ob sie halten, was sie versprechen und die Welt wirklich ein bisschen besser machen.
Mit den Investments sollen Unternehmen gefördert werden, die entweder zu den Vorreitern in Sachen ökologischer und sozialer Kompetenz zählen oder aber in Branchen tätig sind, die als nachhaltig gelten. Beim Kauf von Aktien oder Renten am Kapitalmarkt fließt jedoch kein Geld an die Firmen, außer bei Emission der Papiere. Eine direkte Förderung gäbe es also nur, wenn Fondsmanager ausschließlich beim Börsengang einsteigen würden.
Das macht jedoch keiner. Aber auch wenn der Kauf von Aktien und Renten keine direkte ökologische oder soziale Wirksamkeit hat, steigende oder sinkende Kurse haben durchaus indirekte Auswirkungen auf die Unternehmen. Und das ist der entscheidende Effekt nachhaltiger Investments. Denn Unternehmen und Länder sind prinzipiell an steigenden Kursen interessiert: Sie sorgen für ein gutes Image und senken die Kosten für zusätzliches Kapital. Je mehr Menschen ethische und soziale Kriterien beim Kauf und Verkauf von Aktien, Anleihen, Fonds und Zertifikaten berücksichtigen und dadurch die Kurse beeinflussen, desto wichtiger werden diese Kriterien für die Geschäftspolitik der Unternehmen. Und umso besser wird die Welt.
Die Entscheidung darüber, wie die verschiedenen finanziellen und extra-finanziellen Ziele in Einklang gebracht und gewichtet werden, muss letztendlich durch den einzelnen Investor getroffen werden. Fondsmanager verfolgen dabei die unterschiedlichsten Strategien. Im Extremfall verwenden Fondmanager von Nachhaltigkeitsfonds oder Ethikfonds bei der Suche nach attraktiven Unternehmen für ihre Fonds keine finanziellen Kriterien, sondern kaufen ausschließlich unter nachhaltigen Gesichtspunkten.
Es existiert eine Vielzahl von ökologischen und sozialen Kriterien, die sich von Branche zu Branche unterscheiden. Zusätzlich gelten bei den Fonds Ausschlusskriterien: unter anderem für Unternehmen aus den Bereichen Alkohol, Glücksspiel, Tabak, Rüstung, Waffen, Pelze, Gentechnik und Pornografie. Auf der schwarzen Liste stehen zudem Firmen, die Kinderarbeit nutzen und gegen Menschenrechte oder Arbeitsrecht verstoßen.
Zusätzlich können Umwelt- und Sozialstandards der Unternehmen ins Kalkül gezogen werden. Beispielsweise ob die Ressourcen sparsam eingesetzt werden, ob in der Kantine fettarme Menüs angeboten werden oder ob es Fitness-Angebote für die Mitarbeiter gibt.
Egal ob ethisch ökologische Fonds, Ethik-Fonds, Nachhaltigkeitsfonds oder Öko-Fonds, für all diese Anlagen gilt: Da die starken Schwankungen an den Börsen nach Meinung vieler Experten negative Auswirkungen auf die Wirtschaft und damit auf die Menschen haben, sollten Öko-Sparer langfristig investieren. Das gilt natürlich auch für Fondsmanager. Logisch.