Falle 5: Angst, Fehler einzugestehen.
Geht das Investment ins Minus, setzt häufig die Vernunft aus, denn Anleger bewerten Verluste viel stärker als Gewinne. Dieses irrationale Verhalten stellten die amerikanischen Wissenschaftler Daniel Kahneman und Amos Tversky in mehreren Untersuchungen bereits 1979 fest. Ein Beispiel: Zwei Anlegergruppen werden gebildet. Gruppe A hat 1.000 Dollar zur Verfügung und kann wählen zwischen a) einem sicheren Gewinn von 500 Dollar oder b) einer 50:50-Chance, weitere 1.000Dollar zu gewinnen oder gar nichts. Gruppe B hingegen bekommt 2.000 Dollar und hat zur Auswahl a) einen sicheren Verlust von 500 Dollar oder b) eine 50:50-Chance, 1.000 US-Dollar zu verlieren oder gar nichts. In absoluten Zahlen sind beide Fälle identisch: bei Antwort a) bleiben Gruppe A und B 1.500 Dollar, bei b) 2.000 oder 1.000 Dollar. Dennoch haben sich 84 Prozent der Teilnehmer der Gruppe A für den sicherenGewinn (a) entschieden.
Gruppe B hingegen tendiert klar zur 50:50-Chance (b). Das Beispiel spiegelt das typische Anlegerverhalten wider: Wenn das Investment in die Verlustzone rutscht, werden Anleger risikofreudiger – oft sogar leichtsinnig. Ihre Gewinne hingegen hüten sie wie ihren Augapfel und riskieren nichts. Oder anders ausgedrückt: Anleger neigen dazu, Verluste nicht so schnell zu realisieren wie Gewinne. Der Grund: Anleger wollen sich nicht eingestehen, einen Fehler gemacht zu haben. Solange Verluste nicht realisiert sind, gibt man nicht zu, die falsche Entscheidung getroffen zu haben, und muss sich auch nicht von seinem sozialen Umfeld dafür bemitleiden lassen. Anleger sind zu extrem auf den Einstandspreis fixiert.
Vor Verkauf wollen Investoren diesen mindestens wieder erreichen. Dazu nutzen sie gerne einen Trick und betrügen sich selbst: Sie kaufen bei niedrigerem Preis nach. Das tun sie aber nicht, weil sie vom Fonds überzeugt sind und die günstigen Preise nutzen wollen. Sondern sie wollen nur ihren durchschnittlichen Kaufpreis senken. Anleger sollten ehrlich mit sich selbst sein und sich vor einem Nachkauf fragen, ob sie beim Fonds noch Potenzial sehen. Wenn ja, sollten sie die Gelegenheit der günstigen Preise nutzen. Wenn nein, sollten sie sich nach einem anderen Fonds umschauen. Denn Verluste werden durch Nachkauf nicht geringer.
Wer sich vor der eigenen Unvernunft im Umgang mit Verlusten schützen will, der ist gut beraten, sich – wie im Aktienmarkt – Stopp-Loss-Preise oder ähnliche Verlustmarken zu setzen. Das heißt, der Fonds wird verkauft, wenn er auf ein bestimmtes, vorher festgelegtes Niveau sinkt. Bei Fonds bietet sich außerdem ein Vergleich mit ähnlichen Produkten an. Läuft der Fonds allerdings zwei Jahre in Folge schlechter als seine Vergleichsgruppe, sollte sich der Anleger von ihm verabschieden.