Geschlossene Portfoliofonds.
Es wird kräftig aufgeräumt mit dem alten Vorurteil, dass geschlossene Fonds nur etwas für die vermögende Klientel seien. Seitdem keine Steuern mehr mit den Fonds
gespart werden können, kommen zunehmend auch jüngere und weniger betuchte Kunden als Zielgruppe infrage.
Klassische geschlossene Fonds sind im Schnitt für knapp 15.000 Euro zu haben. Das wird der eine oder andere noch stemmen
können oder wollen. Das Problem beginnt mit der Risikostreuung: Wer als Investor in geschlossenen Fonds innerhalb der Anlageklasse auch nur etwas streuen will, sollte sich zumindest an
Fonds beteiligen, die beispielsweise in mehrere Immobilien oder Schiffe verschiedener Art und Größe investieren. Besser noch, er nimmt eine Vielzahl dieser Fonds, dazu weitere Sparten wie
Lebensversicherungs- oder Private-Equity-Fonds hinzu. Will der Anleger beherzigen, dass geschlossene Fonds je nach Lesart nur zwischen fünf und fünfzehn Prozent des Anlagevermögens
ausmachen sollten, überspringt er rasch die Millionen-Euro-Schwelle an benötigtem Kapital. Sind geschlossene Fonds also doch nur für Reiche?
Mitnichten. Die Lösung heißt Portfoliofonds. Diese Dachfonds kombinieren eine größere Anzahl geschlossener Fonds aus unterschiedlichen Sparten, wie Immobilien,
Schiffe, Zweitmarktpolicen und Private Equity. Ab 5.000 Euro ist man hier im Spiel. So soll ermöglicht werden, für seinen Vermögensaufbau auch geschlossene Fonds einsetzen zu können.
Diese Fondsart soll hierbei als Beimischung zu anderen Kapitalanlagen gesehen werden, etwa zu Investmentfondssparplänen. Denn: Geschlossene Fonds diversifizieren das Verlustrisiko dank
ihrer schwachen Wechselbeziehung zu den Entwicklungen an den internationalen Wertpapiermärkten und anderer Anlageklassen.
Der Gedanke der strategischen Vermögensstrukturierung – auch Asset Allocation genannt – zieht sich als roter Faden durch alle aktuellen
Portfoliofonds-Angebote. Hintergrund sind die Erkenntnisse der modernen Portfoliotheorie, die besagt, dass die richtige Kombination von
Geldanlagen das Verlustrisiko senkt und gleichzeitig die Rendite steigert. Hinzu kommen Untersuchungen, die belegen, dass sich die Märkte der geschlossenen Fonds relativ unabhängig von
den Aktien- und Anleihemärkten entwickeln. Ein reizvolles Argument, um auf Sicherheit bedachten Fonds-Neulingen den Einstieg in die unbekannte Investmentwelt schmackhaft zu machen.
Portfoliofonds investieren weitgehend einheitlich in die gleichen Fondsgattungen, die meisten setzen auf Schiffs-, Immobilien-, Lebensversicherungs- und Private-Equity-Fonds. Allein die
Gewichtung fällt unterschiedlich aus. So hat der Anleger die Möglichkeit, sich einen seiner Risikoneigung entsprechenden Fonds auszuwählen.
Bei einem Investment in einen Portfoliofonds muss der Anleger vor allem auf die Analysen und die Auswahl des
Fondsmanagements vertrauen: In der Regel sind die Angebote Blindpools, bei Zeichnung steht also noch nicht fest, in welche Fonds investiert wird. Nur in wenigen
Ausnahmen können sich Anleger vor der Zeichnung zumindest in Teilen ein Bild von den künftigen Investments des Fonds machen. Aber auch wenn die konkreten Zielfonds noch unbekannt
sind, ist in den Verkaufsprospekten nachzulesen, nach welchen Kriterien der Initiator diese Fonds auswählt.
Ein weiterer Punkt, den Anleger beachten sollten, sind die Kosten für den Dachfonds. Mittlerweile ist es üblich, Agio und Innenprovisionen auf
Zielfondsebene zu erlassen oder zu verrechnen. Dennoch ist die Dachfondskonstruktion nicht umsonst. Gerade die Produkte, die in hauseigene Fonds investieren, sollten sich bei den
Dachfondskosten zurückhalten, zumal hier keine tiefe Analysetätigkeit notwendig wird.
Eine bei ihrer Einführung arg gescholtene Anlageklasse hat sich etabliert. Bestenfalls wird sie die Eintrittskarte einer neuen, jüngeren Generation von Zeichnern in die Welt der geschlossenen
Fonds.